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Erinnerungen

1978 ... Mensch, ist das lange her. Vieles, was damals geschehen ist, haben wir längst wieder vergessen, anderes hat sich tief ins Gedächtnis eingegraben oder wurde in der Erinnerung verklärt.

Manches davon wäre aber sicher wert, festgehalten zu werden. Wenn Euch also irgendeine lustige, nachdenkliche oder sonstwie besondere Geschichte aus der Schulzeit einfällt, dann tragt sie doch bitte hier ein (oder schickt uns eine Nachricht):

         
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Titel
(Prolog)
Text
(Epilog)
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3. Mit Nappes im Fotolabor

Es war meine Großmutter, die mir irgendwann in früher Jugend erzählte, sie habe vor dem Krieg ihre Fotos selber entwickelt, statt diese im Labor machen zu lassen. Damals dachte ich, sowas sei heutzutage (in den frühen 70ern) gar nicht mehr möglich, aber das war ein Irrtum. So bersorgte ich mir Bücher in der Stadtbücherei gegenüber auf der Redinghovenstr., eine Entwicklerdose, ein wenig Entwickler und Fixierbad, und startete mit meinem Bruder einen ersten Versuch - und war erfolgreich.

Gut, nun hatten wir unsere ersten selbst entwickelten Negative (SW natürlich), aber keine Abzüge. Die hätten wir gerne selber gemacht, aber der Aufwand dazu war erheblich größer. So dauerte es einige Zeit, bis wir einen ersten, kleinen Vergrößerer hatten. Aber die Ergebnisse unserer damaligen Arbeit waren niederschmetternd: entweder waren die Fotos zu kontrastarm, zu hell oder zu dunkel, oder sonstwie „daneben“. Nur richtig waren sie eigentlich nie.

Irgendwann hatte ich dann, wohl eher zufällig, erfahren, daß Nappes - oder eigentlich: Herr (Herbert) Napiersky, nicht nur Musiklehrer (und wohl ohne Zweifel einer der beliebtesten Lehrer), sondern auch recht engagierter Fotoamateur war, der im Scholl-eigenen Fotolabor regelmäßig seine Abzüge machte. So fragte ich ihn dann, ob es nicht möglich wäre, daß ich mal mit ins Labor käme, um ein wenig Anleitung zu bekommen, da meine eigenen Abzüge nicht wirklich überzeugend wären.

Wenn ich mich recht erinnere war die Antwort mehr als positiv, ich glaube, er freute sich sogar, jemand mit Interesse gefunden zu haben, und so saßen wir recht bald in der Dunkelkammer (im Bio-Trakt, direkt vorne rechts), ein jeder vor einem Vergrößerer.

Aus dem Unterricht kannte ich Nappes als einen Menschen mit außergewöhnlich viel Humor, im Fotolabor aber war er auffallend ernsthaft bei der Arbeit, und dabei überaus gewissenhaft und sorgfältig. Besonders diese Sorgfalt und Präzision bei der Arbeit (und eine Unzahl Hinweise zu meinen Abzügen) war es dann auch, die die Qualität meiner Arbeit im Fotolabor dramatisch verbesserte.

Ich bin der Fotografie bis heute treu geblieben, und Herr Napiersky dürfte daran einen gar nicht so kleinen Anteil haben. Ich bin ihm jedenfalls heute noch sehr dankbar. Das war eine schöne Zeit!

Er hat an Scholl (laut Spuren und Wege - GSG 1997) von 1938 bis 1978 unterrichtet (Deutsch, Englisch und Musik), also immerhin 50 Jahre, und ist 1978 mit uns „abgegangen“. Ich glaube, als wir (um 1975) zusammen im Fotolabor waren, war er schon lange Rentner - und hat trotzdem noch unterrichtet. Den Schülern, die ihn hatten, wird er als Institution im Gedächtnis sein, und den Besuchern der Konzerte von Scholl damals als derjenige, der zu den vorgetragenen Stücken stets eine mit viel Humor gewürzte Einführung gehalten hat. Leider lebt er heute nicht mehr.

Guido Dielen, 19.08.2008, 12:00 Uhr

 

2. Eine Frage des Alters
Noch ein - hier allerdings aktuallisiertes - Fundstück
Die, die in diesen Jahren Abitur machen, wurden um 1988/1989 geboren. Sie haben Deutschland nie geteilt erlebt, bei DDR denken sie an Speichermodule für den PC, und bei "The Day After" an Kopfschmerzen, nicht an einen Film.

Und Cola gab es schon immer nur in unkaputtbaren Plastikflaschen. Der Verschluss war immer aus Kunststoff und nie aus Metall. Cola in Glas-Flaschen? Und dann nur ein Liter?

Und was sind übrigens Knibbelbilder? Ministeck? Atari ist für die meisten genauso weit weg wie Schallplatten: Denn sie haben nie einen Plattenspieler besessen, da ja schon vor ihrer Geburt die Compact Disc erfunden worden ist - und sie haben nie Pac-Man gespielt. Und erst recht kann niemand von ihnen glauben, dass man Geld ausgegeben hat, um ein "Telespiel" zu spielen, das nicht einmal so aussah wie Tennis ...

Im übrigen hiess Twix niemals Raider und war auch nie "der Pausensnack".

Ach ja: Und was zum Teufel sind Treets?

Auch eine Kugel Eis hat schon immer 70 Cent gekostet, es gibt keine Marken, die "Vanilla" oder "Fiorucci" heissen und erst recht gab es nie eine Zeit ohne Marken; was ist übrigens ein Parka? Und wieso sollte man sich Windeln um den Hals hängen - oder Palästinensertücher?

Wo wir gerade vom Outfit sprechen: Was sind Popper? Was ist ein Popperschnitt? Und warum sollte man sich seine Schultern auspolstern und das Ende seines (Stoff!-)Gürtels im 90°-Winkel nach unten hängen lassen?

Diese Generation hat noch nie einen Fernseher mit nur drei Programmen gesehen.

Ganz zu schweigen von einem Schwarz-Weiss-Fernseher. Und vor allem nicht ohne Fernbedienung! Sie hatten immer Kabel- und Satelliten-Fernsehen.

Was ist eigentlich Beta?

Der Walkman wurde von Sony vor ihrer Geburt erfunden. Rollschuhe haben Rollen, die hintereinander angeordnet sind und der Schuh ist immer schon dran; und was sind Disco-Roller?? Wetten das... war immer mit Thomas Gottschalk, Pommes hat man schon immer im Backofen gemacht und was sind Bonanza-Räder? Klar kennen sie Günther Netzer und Franz Beckenbauer: Das sind Fussballkommentatoren.

Die jetzt Zwanzigjährigen haben noch nie beim Schwimmen über den Weissen Hai nachgedacht. Sie wissen nicht, wer Mork war und warum er vom Ork kommt.

Ihnen ist auch egal, wer J.R. erschossen hat und ausserdem haben sie keine Ahnung, wer J.R. ueberhaupt ist.

Michael Jackson war schon immer weiss.

Sie haben noch nie einen Big-Mac in einer Styropor-Verpackung gesehen und schon immer gibt es Haarschaum und Unisex-Hairstylingprodukte.

Sie glauben, dass es nicht sein kann, dass Puma-Schuhe mal der letzte Schrei waren und dass das Top-Modell von Adidas nur 99 Mark gekostet hat und keine Luftkammern hatte und nicht blinkte. Sie haben noch nie ein Snickers mit roter Verpackung gesehen.

Sie wissen nicht, dass man Daten auf Kassetten speichern kann, denn sie haben auch noch nie eine Diskette gelocht, geschweige denn umgedreht.

Sie wissen nicht, warum Nicki Lauda immer eine Mütze trägt.

Sie kennen Herrn Kaiser von der Hamburg-Mannheimer nur ohne Brille und Seitenscheitel. Den netten Mann von Persil kennen sie gar nicht. Hiess der Mann nicht Clementine und war eigentlich eine Frau? Sie wissen nicht, dass Frau Sommer nicht mit Dr. Sommer von der Bravo verheiratet ist, sondern bei Jakobs-Kaffee arbeitet und an Festtagen ein Pfund Krönung mitbringt.

Sie wissen nicht, dass Parkuhren früher auch 10-Pfennig-Stücke genommen haben.

Aber Du weisst das alles.

Denn Du bist alt.

Guido Dielen, 12.08.2008, 17:00 Uhr

 

1. Die Siebziger
Als "Warm-Up" hier ein Text, der auch schon an verschiedenen anderen Stellen erschienen ist. Aber er paßt doch irgendwie ganz gut:
Wenn du nach 1978 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun ... Verschwinde!
Kinder von heute werden in Watte gepackt ..........

Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70 Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, daß wir so lange überleben konnten!

  • Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags.
  • Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium.
  • Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel.
  • Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen.
  • Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.
  • Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.
  • Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.
  • Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mußten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wußte, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!
  • Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht". Kannst du dich noch an "Unfälle" erinnern? Wir kämpften und schlugen einander manchmal bunt und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte den Erwachsenen nicht.
  • Wir aßen Kekse, Brot mit Butter dick, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick.
  • Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.
  • Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround Sound, eigene Fernseher, Computer, Internet-Chat-Rooms. Wir hatten Freunde.
  • Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns... Wie war das nur möglich?
  • Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus.
  • Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, mußte lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.
  • Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.
  • Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat,war klar, daß die Eltern ihn nicht aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas!
  • Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Mißerfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wußten wir umzugehen.
Guido Dielen, 12.08.2008, 17:00 Uhr

 

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